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Familienbett - mit mehreren Kindern

Möglichkeiten für ein Familienbett mit mehreren Kindern

Das Familienbett (auch Bed-Sharing oder Co-Sleeping genannt) ist mittlerweile in sehr vielen Familien Alltag. Zumindest in den ersten Lebensmonaten mit Baby, lassen die meisten Eltern ihr Baby nah bei sich schlafen. Manche direkt im Elternbett, oder andere in einem Beistellbettchen.

Die wenigsten aber machen sich schon früh Gedanken darum, wie es nach den ersten Monaten weitergeht und schaffen sch direkt ein Bett an, dass auch später genügend Platz für alle hat. Denn das Elternbett wird schnell zu eng, das Beistellbett zu klein. Spätestens wenn dann ein weiteres Geschwisterchen dazukommt, wird die Situation stressig und an erholsamen Schlaf ist nicht zu denken.

 

Hier muss dann eine Alternative her, wenn am gemeinsamen Schlafen festgehalten werden soll. Dafür gibt es verschiedenste Möglichkeiten (der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt, diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Ein Normales Bett + Kinderbett + Beistellbett: Soll das Elternbett erhalten werden und mit möglichst wenig Aufwand Platz für alle geschaffen werden, so ist diese Möglichkeit die einfachste Lösung. Das Kinderbett wird dafür möglichst direkt an das Elternbett gestellt und im Idealfall daran befestigt. Die Lücke zwischen den Betten kann dann mit einer dünnen gefalteten Decke oder einer so genannten "Liebesbrücke" ausgepolstert und geschlossen werden. Mit einer großen Moltonauflage darüber entsteht so eine große Schlaffläche. An der freien Seite des Kinderbettes kann, wenn gewünscht ein Rausfallschutz angebracht werden. Das Beistellbett kann beizeiten gegen ein Kinderbett getauscht werden, wenn es zu klein wird.  Bei dieser Variante liegen die Eltern in der Mitte und jeder hat ein Kind an seiner Seite. So kann der Vater/Partner*in die nächtliche Betreuung eines Kindes übernehmen und die Mutter so entlasten.
  • Zwei Normale Betten: Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein weiteres großes Bett neben das Elternbett zu stellen. Je nach Art der Betten kann auch hier die Lücke ausgepolstert werden, sodann eine große Schlaffläche entsteht. Anfangs teilen sich dann Mutter und Baby sowie Vater/Partner*in und (Klein-)Kind je ein Bett, später können die Kinder sich ein Bett teilen. Mit diesem Geschwisterbett können die Kinder dann auch irgendwann in ein eigenes Zimmer ziehen.
  • (Selbstgebautes) Familienbett: Eine weitere Möglichkeit ist es ein "richtiges" Familienbett zu bauen oder bauen zu lassen, welches eine ausreichend große Schlaffläche für alle bietet (min. 60cm pro Person). Der große Vorteil dieser Variante ist es, dass keine Lücken zwischen den Betten/Matratzen entstehen. Allerdings kann so ein Bett schwieriger wieder zurückgebaut werden, wenn die Kinder irgendwann aus dem Familienbett ausziehen. Im Internet finden sich mittlerweile sehr viele tolle Bauanleitungen für Familienbetten aus mehreren Bettgestellen oder auch aus Paletten.

Sicherheitsregeln im Familienbett mit mehreren Kindern

Egal für welche Variante man sich entscheidet, wichtig ist, dass gewisse Regeln beachtet werden, damit es für alle Beteiligten (vor allem die kleinsten) sicher ist. 

 

Ganz grundsätzlich gelten beim so genannten Bed-Sharing einige Sicherheitsempfehlungen, damit das Schlafen auf einer gemeinsamen Schlaffläche als Sicher gilt:

  • Die Schlaffläche muss eine feste Unterlage sein. Ein Sofa, ein Wasserbett oder auch eine sehr weiche Matratze sind keine geeigneten Plätze um sie mit einem Baby zum Schlafen zu teilen.
  • Die Eltern sollten nicht rauchen und nicht unter Alkohol-, Medikamenten oder Drogen-Einfluss stehen. Raucht ein Elternteil sollte er nicht bei seinem Kind schlafen. Alkohol, bestimmte Medikamente und Drogen setzen die Reaktionsfähigkeit herab und beeinflussen die Wahrnehmungsfähigkeit, daher sollte man unter Einfluss dieser Substanzen nicht die Schlaffläche mit seinem Kind teilen.
  • Es befinden sich keine Kissen, Tücher oder Bänder in Kopfnähe des Kindes und es wird nicht zugedeckt. Ein Schlafsack ist die Ideale Bedeckung, ein Kissen brauchen Babys noch nicht. Auch Kopfbedeckungen sollte man vorsichtshalber in der Nacht weglassen.
  • Das Kind wird gestillt. Abgestillte Babys sollten in den ersten Monaten besser auf einer eigenen Unterlage schlafen und einen Schnuller benutzen. Auch Frühgeborene sollen auf einer eigenen Unterlage schlafen.
  • Das Kind wird in Rückenlage hingelegt. Dies ist, im Gegenteil zur Bauchlage, die sicherste Lage um das Risiko für den Plötzlichen Kindstod zu senken. Beim Stillen kann das Kind in Seitenlage neben der Mutter liegen. 
  • Der Schlafplatz ist nicht zu warm. 18°C sind optimal. Diese Temperatur hat auch bei den Eltern einen positiven Effekt auf die Erholsamkeit des Schlafs.

Doch was ist nun zu beachten, wenn sich mehrere Kinder im Familienbett befinden, und dort zumindest Zeitweise ohne die Eltern sind?

 

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es sicherer ist, wenn das ältere Kind von Beginn der Nacht an mit im Elternbett liegt, als wenn es nachts zu den Eltern geklettert kommt, und sich dort evtl in eine fürs Baby unsichere Position begibt. Denn die Geschwister sollten im ersten Jahr nicht nebeneinander liegen, um zu verhindern, dass sich das ältere Kind auf das Baby legt. Später können die Kinder problemlos gemeinsam ein Bett teilen.

Solange die Eltern nicht mit im Bett sind (weil sie Abends noch einmal das Familienbett verlassen und ihrer Abendbeschäftigung nachgehen) sollte dafür gesorgt werden, dass die Kinder nicht zueinander gelangen. Dies kann man zum Beispiel mit einem Still- oder auch einem Seitenschläferkissen zwischen den Kindern erreichen. Das Bett muss zu den Seiten einen Rausfallschutz haben, damit die Kinder nicht hinausfallen können. Das Fußende kann man gut mit einer aufgerollten Decke oder Kissen schützen.

 

Die Kinder sollten nicht zu lange allein und unbeobachtet sein. Entweder legt man sich recht bald wieder zu den Kindern (und nutzt die lange erste Schlafphase des Babys zur eigenen Erholung ;-) ), oder man schaut regelmäßig nach den Kindern. Manche Familien haben auch gute Erfahrungen mit einem Babyphone mit Videofunktion gemacht.

 

Einschlafbegleitung mit mehreren Kindern

Zwei Kinder gleichzeitig in den Schlaf zu begleiten kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Haben die Kinder einen ähnlichen Rhythmus für den Nachtschlaf (werden also abends zur gleichen Zeit müde) so ist es meist sogar leichter, beide Kinder im gleichen Raum in den Schlaf zu begleiten. Doch das ist nicht immer der Fall. Und es gibt Kinder die sich leicht gegenseitig wachhalten, was das zu bett bringen wirklich schwierig machen kann.

Wie man eine solche Situation lösen kann, ist sehr individuell und oft ändert sich die Situation auch schnell wieder. Was heute funktioniert hat, kann morgen schon keinen Erfolg mehr bringen.

Mein Erster Tipp lautet daher: Sei Flexibel und Kreativ! Probier ruhig viel aus, und wenn etwas nicht mehr klappt, überlege, was es vielleicht noch für Alternativen gibt.

Der zweite Tipp, den ich dir ans Herz legen will, lautet: Hol dir Unterstützung! Je nachdem welches Kind als erstes müde ist (und das kann sich manchmal täglich ändern!) wird dieses zuerst in den Schlaf begleitet und das andere wird in der Zeit von deinem Partner*in, der Nachbarin, Oma, Opa und sonst jemandem beschäftigt. Ist die unterstützende Person eine wichtige Bezugsperson fürs müde Kind können dabei auch gern die Rollen getauscht werden, und zum Beispiel der Papa begleitet das ältere Kind in den Schlaf, während die Mama mit dem Baby in einem anderen Raum ist.

Doch das ist natürlich nicht immer möglich. Nicht jeder kann sich gut Unterstützung holen, und auch nicht jeder möchte das.

Wenn du alleine beide Kinder schlafen legen möchtest, und sie sich wachhalten gibt es ein paar Dinge die du ausprobieren kannst. 

Dabei möchte ich zwei Situationen unterscheiden:

  1. Das jüngere Kind ist müde, das ältere hält es wach. 
    • Das jüngere Kind wird in den Schlaf gestillt (oder gekuschelt) während man das ältere Kind ruhig beschäftigt (ein Buch lesen, gemeinsam eine Geschichte erzählen, "Ich packe meinen Koffer" Spielen, zusammen ein Schlaflied fürs Baby singen, usw...)
    • Das ältere Kind in einer sicheren Umgebung (evtl mit (Video) Babyphone) eine besondere Beschäftigung geben (eine Kindgerechte Fernsehsendung sehen lassen - Achtung, Fernsehen kann bei manchen KIndern zu Einschlafproblemen führen! - , ein besonderes Spielzeug, dass es sonst nicht gibt oder ähnliches) und klar kommunizieren, dass das Kind gleich exklusive Zeit mit Mama genießen kann, wenn das Baby schlafen gelegt wurde, und es sich am besten ruhig verhält, damit das Baby schnell einschlafen kann.
  2. Das ältere Kind ist müde und wird vom jüngeren Kind wachgehalten.
    • Nach dem gemeinsamen Abendritual (umziehen, Zähneputzen, evtl Buch lesen ö.ä.) kommt das Baby in die Trage und du läufst neben dem Bett des älteren Kindes auf und ab. Bei ältere Kindern reicht oft schon die Anwesenheit im Zimmer aus, um genügend Sicherheit zu vermitteln damit das Kind in den Schlaf findet.
    • je nach Alter des älteren Kindes kann diesem auch nach einem Abendritual mit viel (Körper-)Kontakt (damit der Bindungstank beim Kind voll ist) ein Hörspiel, eine ruhige Musik oder eine Traumreise den Schlaf helfen, während man mit dem Baby den Raum verlassen kann bis dieses ebenfalls müde ist und schlafen möchte.

Dies sind natürlich keine Zaubertricks, die deine Kinder auf Knopfdruck zusammen ins Land der Träume schicken (wenn ich solche hätte würde ich vermutlich stinkreich werden ;-) ). Zwei oder mehr Kinder in den Schlaf zu begleiten kann unheimlich anstrengend sein - das weiß ich aus eigener Erfahrung! Doch je entspannter du in der Situation sein kannst, desto besser wird es klappen. Mein Dritter Tipp lautet deshalb: Nicht verzweifeln! Oft sind solche Zeiten nur vorrübergehend, und bald wird es wieder leichter. Versuch die Zeit für dich zu nutzen (hör zum Beispiel ein Hörbuch, einen Podcast oder eine Entspannungsreise über Kopfhörer) oder versuche gleich selbst einfach mit den Kindern einzuschlafen (das wird nicht für immer so bleiben, keine Sorge!). Dadurch wirst du deutlich entspannter sein, und die Kinder können deutlich leichter und schneller in den Schlaf finden.

 

Ganz wichtig ist mir bei allen Tipps die ich dir hier gegeben habe, dass du dir nur das heraussuchst, was sich für dich richtig und stimmig anfühlt. Hör auf dein Bauchgefühl und mache das was für euch funktioniert, auch wenn jemand anders es für nicht richtig hält. Denn es muss für dich und deine Familie passen und für sonst niemanden.

 

Wenn dir die Tipps und Hinweise hier geholfen haben würde ich mich sehr über einen Kommentar von dir freuen. Und falls du noch einen ultimativen Tipp hast wie man das Familienbett mit mehreren Kindern gut umsetzen kann, dann schreib es doch gerne in die Kommentare.

 

Eure Katharina

 

Disclaimer:

Alle Tipps und Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und ohne Gewähr. 

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Kommentare: 1
  • #1

    G. A. (Montag, 15 Juni 2020 22:20)

    Toller Bericht! Danke für dein Engagement zum Thema Familie <3