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Endlich entspannt einschlafen - wie du Einschlafgewohnheiten deines Babys ändern kannst

Viele Eltern kennen es: Das Baby will nur noch auf dem Arm Schlafen, schläft nur ein wenn es Papa am Ohrläppchen zupfen kann oder muss Mamas Hand halten zum Einschlafen. Wann man dabei von ungünstigen Einschlafassoziationen spricht, wann der beste Zeitpunkt ist dem entgegenzuwirken und wie man festgefahrene Gewohnheiten beim Einschlafen ändern kann erfährst du in diesem Artikel.

Dass Kinder (und auch wir Erwachsenen) bestimmte Handlungen und Wahrnehmungen mit dem Einschlafen verbinden, also assoziieren, ist ganz normal und sinnvoll. In der Regel sind dies Dinge die Sicherheit vermitteln (wie immer gleiche Abläufe), und bestimmte Wahrnehmungen, die dafür sorgen dass wir uns geborgen fühlen. Bei Babys und kleinen Kindern gehört ganz klar auch die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse dazu, denn (wieder) Einschlafen gelingt nur, wenn diese erfüllt sind. Wenn dein Baby also nur mit Körperkontakt einschläft ist das keine falsche Gewohnheit, sondern ein Grundbedürfnis. Wenn dein Baby nachts Stillen will oder eine Flasche Milch braucht, erfüllt es sein Bedürfnis nach Nahrung (und Nähe!). Auch wenn es nachts noch etwas an der Brust nuckeln will, ohne dass noch Milch fließt (non nutritives Saugen) und dabei entspannt einschläft, dann ist dies noch nicht grundsätzlich ein Problem oder eine falsche Einschlafgewohnheit.

 

Schläft dein Baby nur ein, wenn es in deinen Haaren wuscheln kann, an deinem Ohr zupft oder an deinem Körper knetet und zwirbelt so sind das typische erlernte Einschlafgewohnheiten, die durchaus verändert werden dürfen und können.

 

Die Grenze zwischen normalen Assoziationen mit dem Einschlafen, und ungünstigen Gewohnheiten ist schwimmend. So können aus normalen Verknüpfungen mit dem Einschlafen, schnell so feste und enge Verbindungen werden, dass dein Baby nur noch so einschlafen kann. So fängst du vielleicht an einem Abend an mit deinem Baby im Tuch oder auf dem Arm durch die Wohnung zu marschieren damit es einschläft, und weil das so gut klappt, machst du das immer öfter. Bis es das Schunkeln im Tuch/ auf dem Arm so fest mit dem Einschlafen verbindet, dass es nur noch so schlafen kann und du fortan auch nachts durchs Haus tigern musst.  Aus einer normalen Schlafassoziation ist dann eine ungünstige Gewohnheit geworden.

 

 

Problematisch kann das Ganze auch bei Grundbedürfnissen werden, wenn ein Baby nur noch auf eine bestimmte weise einschlafen kann. Wenn es nachts jede halbe Stunde erwacht und nach der Brust sucht, weil es nur noch mit dieser im Mund einschlafen kann, liegt vermutlich eine Gewöhnung an das Einschlafen mit der Brust im Mund vor. Das kann sehr belastend für dich werden und eine sanfte Gewöhnung an Alternativen ist hier möglicherweise nötig. Ob eine Einschlafgewohnheit ungünstig ist und geändert werden muss bestimmst alleine du! 

Um ungünstigen Schlafassoziationen vorzubeugen bekommt man in vielen Ratgebern den Tipp möglichst schon nach den ersten Lebenswochen das Baby müde aber wach ins Bettchen zu legen. Wenn es sich erst gar nicht daran gewöhnt im Körperkontakt oder beim Stillen einzuschlafen, so würde es dies auch nachts nicht einfordern und schneller durchschlafen. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch so getan, als könne man Körperkontakt und Nähe beliebig durch eine andere Assoziation austauschen und das Baby müsse sich nur daran gewöhnen mit einem Teddy einzuschlafen um auch nachts kein Nähebedürfnis mehr zu haben. Ich bin da ganz anderer Meinung. Kein Kuscheltier kann Nähe und Körperkotakt ersetzen und sollte es auch nicht, da diese zu den Grundbedürfnissen von uns Menschen gehören. Ohne können wir nicht leben! Und auch ein frühes forcieren von durchschlafen ist alles andere als sinnvoll (dazu auch gerne meinen Artikel „Warum Durschlafen nicht sinnvoll ist“ lesen!). Kinder wachen eben nicht nur auf und brauchen unsere Nähe, weil sie sich an die Anwesenheit ihrer Eltern gewöhnt haben, sondern weil es zu ihrem natürlichen Überlebensinstinkt gehört.

 

 

Ich plädiere also ganz stark daran, keine Lösung zu suchen, bevor ein Problem vorhanden ist. Du musst nicht vorbereitend auf irgendetwas achten, wenn du dein Baby schlafen legst. Wenn es jeden Abend in den Schlaf gestillt wird  und dir geht es gut damit, dann mach weiter! Wenn du es herumträgst bis es schläft und du genießt diese Momente, dann hör nicht auf! Früher ist hier nicht besser als später. 

Sinnvoll kann auch sein hinzuschauen, woher die Belastung kommt, die du aufgrund der Situation spürst. Oft ist es gar nicht die Situation an sich, die wir als Belastend empfinden und die uns Energie raubt, sondern es sind zum Beispiel Sorgen um die Zukunft, oder auch Druck von außen (gesellschaftlich oder auch familiär). Wenn du dir jeden Abend beim in den Schlaf stillen Sorgen machst, wie das Kind irgendwann einmal ohne das Stillen einschlafen soll, ob du jemals wieder einen Abend weggehen kann, oder ob die Schwiegermutter nicht doch recht hat und du dein Baby schrecklich verwöhnst, dann kostet das viel Energie. Erfahrungsgemäß wirst du es aber schwerer haben etwas an der Einschlafsituation zu ändern, wenn du nicht selbst zu 100% sicher und überzeugt bist das sich jetzt etwas ändern muss. Wenn du zweifelst ob es der richtige Schritt ist, sobald dein Baby gegen die Veränderungen protestiert, dann wird es aller Wahrscheinlichkeit nach  noch deutlich heftiger  weinen, weil es deine Unsicherheit spürt.

 

Kostet aber die Einschlafgewohnheit selbst dich viel Kraft, weil du nachts oft aufstehen musst zum Beispiel, oder dein Baby 15 mal nachts an der Brust nuckeln will, du bereits versucht hast die Grundbedürfnisse auf eine für dich angenehme Weise zu erfüllen, aber dein Baby lässt keine Veränderung zu und wenn du dir ganz sicher bist es muss sich JETZT etwas ändern, dann zögere nicht und ändere etwas!

Du bist also nun sicher, dass du etwas ändern willst. Dann bleibt nur das wie zu klären. Dabei gilt, je kleinschrittiger du vorgehst, desto weniger Gegenwehr von deinem Baby ist zu erwarten. Allerdings dauert es natürlich auch umso länger, je kleiner deine Schritte sind.

 

Methode 1: Kreativ werden bei Grundbedürfnissen

Wenn dein Baby nur eines seiner Grundbedürfnisse stillen will (Nähe, Saugen, Nahrung zum Beispiel), dies aber auf eine Art und Weise die dir unbequem oder unangenehm ist, dann können Änderungen helfen, die die Bedürfnisse auch erfüllen, aber dir angenehmer sind.  Wenn dein Baby also nur mit Körperkontakt schlafen will, dann versuch dieses für dich so einfach und bequem wie möglich zu erfüllen, kuschelnd im Bett zum Beispiel, während du ein Hörbuch hörst. Will dein Kind nachts Stillen (und trinkt dabei hörbar) dann versuche dein Kind möglichst neben dir schlafen zu lassen, sodass du nachts liegend und im Halbschlaf stillen kannst.

 

Methode 2: Bring Vielfalt ins Einschlafen!

Eine Möglichkeit, wenn dein Baby sich sehr auf eine bestimmte Einschlafassoziation eingeschossen hat, wäre es auf Vielfalt zu setzen. Lass dein Baby am Tag ganz bewusst auf verschiedenste Weise einschlafen. Zum Beispiel In der Trage beim Staubsaugen, beim Autofahren, im Kinderwagen, beim kuscheln mit Papa. So lernt dein Baby nach und nach wieder, dass es verschiedene Brücken in den Schlaf gibt und es wird auch nachts besser auf Veränderungen reagieren.

 

Methode 3: Ersatz fürs Knibbeln und Zupfen

Wenn dein Baby zum Einschlafen gern an deinem Ohr, deinem Finger oder deinen Haaren zupft und Knibbelt, dann beruhigt dies zwar dein Baby, kann dich aber echt zur Weißglut bringen. Hier kann ein kann ein Kuscheltier als Knibbel-Ersatz herhalten. Dieser sollte zunächst einmal einige Abende nur beim Einschlafen dabei sein. Danach kannst du vorsichtig beginnen, die Hände deines Kindes zum Kuscheltier umzuleiten. Wähle dabei eines aus, dass möglichst dem entspricht, was dein Kind machen möchte. Wenn es gern an deinen Haaren spielt ist ein Kuscheltier mit langem Zottelfell oder eine Puppe mit lagen Haaren am besten geeignet, steckt es dir gern den Finger in Ohren oder Nase (hat meine Tochter auch unglaublich gern gemacht beim Stillen), dann versuche es mit einem Tier mit großen Ohren oder vielleicht sogar Nasenlöchern. Sei kreativ ;-)

 

Methode 4: Schritt für Schritt zum Ziel

Wenn du in den Schlaf Stillen, Tragen oder Schaukeln abgewöhnen willst, dein Leidensdruck noch nicht zu groß ist, und du nicht möchtest dass dein Baby weinen muss, dann rate ich dir zu einem kleinschrittigen Vorgehen. Dafür kannst du dir selbst einen Plan erstellen, wie du vorgehen willst. Manchem hilft es bei der Durchführung, einen möglichst genauen Plan vor Augen zu haben. Für diesen Plan schreibst du dir zunächst auf wo ihr steht, also was eure Ausgangssituation ist. Was stört dich am meisten. Und dann überlegst du dir, was sich ändern soll, wo du hinwillst. Je klarer dein Ziel ist, desto besser (also nicht „bessere Nächte“  sondern „nur 2 mal stillen“ oder „nicht mehr aufstehen müssen“). Aber bleib realistisch und passe deine Erwartungen an das Alter und die Fähigkeiten deines Kindes an. Als nächstes überlegst du wie du in möglichst kleinen Schritten vom Start zum Zielpunkt gelangst. So kannst du zum Beispiel das Einschlafstillen langsam ausschleichen lassen indem du zunächst wie üblich dein Baby in den Schlaf stillst, und es dann vorsichtig von der Brust löst sobald es eingeschlafen ist. Wenn es dabei wieder aufwacht gibst du ihm wieder die Brust bis es eingeschlafen ist. Dies wiederholst du so lange bis es weiterschläft, auch wenn du abdockst. Am nächsten Tag löst du dein Baby schon einen Moment bevor es eingeschlafen ist. Auch hier gibst du ihm die Brust wieder wenn es sie noch braucht und nicht einschläft. Es soll lernen, den letzten Schritt zum Einschlafen ohne die Brust zu schaffen, aber es soll sich nicht zu sehr aufregen müssen dabei. Schritt für Schritt löst du so einen Moment früher dein Baby von der Brust, bis es nach einigen Wochen gelernt hat zu trinken, loszulassen und dann einzuschlafen. Genauso kannst du auch vorgehen, wenn du deinem Baby das Einschlafen beim Tragen oder schaukeln  abgewöhnen willst. Doch sei dir im Klaren darüber, dass dein Kind dennoch deine Begleitung und vermutlich auch Körperkontakt brauchen wird, um gut einzuschlafen!

 

Methode 5: Augen zu und Durch

Diese Methode eignet sich nur, wenn dein Leidensdruck sehr groß ist, und du unbedingt etwas ändern willst, und dafür auch den Protest deines Kindes in Kauf nimmst. Sie sollte auf keinen Fall bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden! Dafür legst du eine klare Regel fest, nach der du vorgehen willst. Zum Beispiel, dass du zwischen Mitternacht und 6Uhr morgens nicht mehr stillen willst. Oder nicht mehr im Schlafzimmer. Dass du nachts nicht mehr herumtragen willst usw. Du kannst einen belieben Zeitraum etc wählen, was am besten zu eurer Situation passt, aber bleib realistisch! Wenn du deine Regel festgelegt hast (am besten in Absprache mit deinem Partner!) dann besprichst du dies mit deinem Kind. Ach wenn du das Gefühl hast es versteht dich noch nicht, und dir vielleicht nicht antworten kann ist dies ein wichtiger Schritt, lass ihn bitte nicht aus! Du erklärst die Regeln und dann geht ihr gemeinsam dadurch. Dein Kind wird diese neuen Spielregeln sehr wahrscheinlich nicht einfach so hinnehmen und dagegen protestieren und weinen. Das ist ok! Denn etwas lieb Gewonnenes aufzugeben, ist kein leichter Schritt, das darf dein Baby auch richtig doof finden. Wichtig ist, dass es nicht allein gelassen wird dabei. Deine Aufgabe ist es zu unterstützen und zu begleiten. Bleib mit deinen Gedanken bei dir und deinem Ziel, mache Atemübungen oder Entspannungsübungen dabei. Je entspannter du bist, desto besser kannst deinem Kind durch seinen Gefühlssturm helfen. Alles was euch dabei gut tut ist erlaubt. Aber bleibt nach Möglichkeit zusammen liegen, denn das Stillen durch herumtragen zu ersetzen kann nicht zielführend sein. Und solltest du das Gefühl haben es wird zu viel, dann darfst du jederzeit abrechen und es zu einem späteren Zeitpunkt (in ein paar Wochen, besser nicht alle paar Tage) noch einmal versuchen. Du hast dann nicht versagt! Es war dann einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt.

 

Ein Tipp noch: Wenn du das nächtliche Stillen reduzieren willst, achte auf eine ausreichende Kalorienzufuhr am Tag, damit nicht nachts noch Reserven aufgefüllt werden müssen.

 

Du siehst es gibt viele Möglichkeiten Einschlafgewohnheiten bei Kindern zu ändern. Mindestens so viele, wie es verschiedene Familien gibt ;-) Versuche für dich und dein Kind einen Weg zu wählen der zu euch passt, der sich realistisch umsetzen lässt und der sich richtig für dich anfühlt. Nicht immer ist es einfach diesen Weg alleine zu gehen. Ich helfe dir gerne bei der Suche nach einem passenden Weg für euch und unterstütze dich auch bei der Umsetzung, damit du nicht alleine da durch musst. Melde dich gerne bei mir!

 

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Deine Katharina

 

Disclaimer:

Alle Tipps und Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und ohne Gewähr.

 

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